Schützen, was wir kennen
Forschen. Verstehen. Schützen.
Biodiversität ist mehr als Artenvielfalt
Dennoch ist der Blick auf die Arten ein besonders wichtiger Einstieg. Sie sind die Bausteine eines Ökosystems, und wer sie kennt, weiß schon viel darüber, wie es um einen Lebensraum steht. Außerdem lässt sich Artenvielfalt vergleichsweise direkt erfassen und über die Jahre hinweg vergleichen. So entsteht eine solide Datengrundlage, auf der sich weitere Fragen aufbauen lassen, etwa wie die Arten miteinander verbunden sind und welche Rolle sie im Ökosystem spielen.
Warum messen wir Biodiversität?
Aus der Dokumentation der Artenvielfalt können wir unmittelbare Erkenntnisse über den ökologischen Zustand eines Lebensraums ziehen, die Wirkung unseres Schutzkonzepts bewerten und Aussagen über Populationsentwicklungen treffen.
Biodiversität hat aber nicht nur lokale Relevanz. Wir erleben gerade das größte Artensterben seit dem Untergang der Dinosaurier – und das scheint kein Zufall zu sein. Dieser menschengemachte Wandel wird vielfach als sechstes Massenaussterben bezeichnet.
Biodiversität ist ein Grundbaustein des Lebens auf der Erde: Unsere Grundversorgung, unsere Wirtschaftssysteme und selbst ein Großteil unserer Freizeitgestaltung hängen von intakten Ökosystemen und ihrer Artenvielfalt ab. Indem wir Biodiversität messen, können wir Veränderungen sichtbar machen, die Bedeutung ihres Schutzes belegen und nachvollziehbar zeigen, was Naturschutz bewirkt.
Nutzen des Biodiversitätsmonitorings im Überblick:
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Arten erfassen: Welche Tier- und Pflanzenarten leben in unseren Schutzgebieten?
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Veränderungen erkennen: Vergleichswerte schaffen und langfristige Entwicklungen beobachten.
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Besonderheiten entdecken: Seltene und scheue Arten dokumentieren und möglicherweise unbekannte Arten nachweisen.
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Naturschutz überprüfen: Erkennen, ob und wie unsere Schutzmaßnahmen wirken.
Wie messen wir Artenvielfalt?
Spuren und Animal Tracks dokumentieren
Erste Hinweise auf die Präsenz wildlebender Tiere liefern ihre Spuren und regelmäßig genutzte Pfade, sogenannte „Animal Tracks“. Dabei handelt es sich um häufig frequentierte Routen, die die Tiere immer wieder nutzen, um wichtige Anlaufpunkte im Wald, wie Lehmlecken im peruanischen Regenwald oder Trinkwasserstellen, aufzusuchen.
Haben unsere Forschenden interessante Spuren oder aktiv genutzte Tracks entdeckt, sind diese Orte häufig der ideale Ausgangspunkt, um Messgeräte zu installieren und weitere Dokumentationsvorkehrungen zu treffen.
Audiosensoren und Wildtierkameras
Ob am Waldboden oder hoch oben in den Wipfeln: In den Regenwäldern unserer Schutzgebiete – egal ob tropisch oder temperiert – findet Leben auf jeder Etage statt. Um auch scheue, nachtaktive oder Arten der Baumkronen zu erfassen, setzen unsere Forschenden daher auf Wildtierkameras und Audiosensoren – zwei minimal-invasive Monitoringmethoden, von denen die tierischen Regenwaldbewohner in der Regel kaum etwas mitbekommen.
Diese Geräte werden gezielt an genau den Orten installiert, die für Tiere besonders attraktiv und frequentiert sind: etwa in der Nähe von Lehmlecken, Trinkwasserstellen, entlang ihrer Tracks am Waldboden oder in besonders ausladenden Baumkronen. So können wir sogar über längere Zeiträume Videos, Audios und Fotos aufnehmen, ohne dass die Tiere etwas vom Monitoring mitbekommen.
Gerade die Audiosensoren produzieren dabei enorme Datenmengen. Eine KI unterstützt die Forschenden bei der Auswertung, indem sie die Aufnahmen mit umfangreichen Datenbanken abgleicht und anhand charakteristischer Rufe mögliche Arten identifiziert. Doch so leistungsfähig die Technologie auch ist: Ohne menschliche Expertise geht es nicht. Die Forschenden überprüfen die Ergebnisse, sichten die Aufnahmen und dokumentieren nur die eindeutig nachgewiesenen Arten.
Auch die Kameras im Kronendach erfordern einiges an Einsatz: Ausgebildete Baumkletterer bringen die Geräte sicher in den Wipfeln der Urwaldriesen an. Für den regelmäßigen Austausch der SD-Karten müssen die Forschenden anschließend selbst immer wieder hoch hinaus.
Alle Aufnahmen werden gesichtet und die darin dokumentierten Arten systematisch erfasst. Über längere Zeiträume lassen sich so Artenlisten, Populationsgrößen und mögliche Veränderungen vergleichen. Auf diese Weise geben Wiltierkameras und Audiosensoren einen immer genaueren Einblick in die verborgene Vielfalt des Regenwaldes – und zwar in jedem Stockwerk.
Highlights unserer Wildtierkameras
Punktzählungen und Transekte
Wiederkehrende Punktzählungen liefern während einer Forschungsperiode einen Überblick über die relative Dichte und Diversität insbesondere der Vogelpopulation in einem Untersuchungsgebiet. Ergänzend arbeiten die Forschenden entlang festgelegter Messlinien, sogenannter Transekte. Vor Sonnenaufgang spannen sie dort feinmaschige Netze auf, um einzelne Vögel schonend zu fangen und im Rahmen des sogenannten „Bird Processings“ individuell zu untersuchen.
Dabei erfassen sie unter anderem den allgemeinen Gesundheitszustand des Vogels und nehmen sein Gefieder ganz genau unter die Lupe. Aus dem Federkleid lassen sich nämlich nicht nur Alter und Geschlecht eines Tieres ablesen, sondern auch, ob er aktuell brütet oder von Exoparasiten befallen ist. Nach der Datenerfassung erhält jeder Vogel einen kleinen Ring am Fuß. So lässt er sich bei einem späteren Fang eindeutig wiedererkennen und seine Datensätze vergleichen. Der Ring beeinträchtigt die Tiere im Alltag natürlich nicht.
Übrigens: Nicht nur Vögel lassen sich so untersuchen. Auch Fledermäuse können mittels solcher Netze gefangen, untersucht und dokumentiert werden.
Zufallsbeobachtungen
Anders als Vögel oder Fledermäuse lassen sich Begegnungen mit Reptilien und Amphibien im Regenwald nicht so einfach durch Netze arrangieren. Frösche, Echsen, Schlangen und Co. werden meistens nach Zufallsbeobachtung, sogenannten opportunistischen Sichtungen, und ohne standardisierte Suchraster dokumentiert – zum Beispiel wenn unser Expeditionsteam bei ihrer Ankunft im Forschungscamp von einer Korallenotter überrascht wird.
Auf ihren nächtlichen Waldwanderungen suchen die Forschenden das Dschungeldickicht mit Kopflampen nach Augenscheinreflexionen ab. Entdecken sie dabei Frösche oder Echsen, werden die Funde aufgezeichnet und dokumentiert. Da Schlangenbegegnungen besonders selten sind, werden diese Individuen genauer untersucht. Alter, Geschlecht, Größe, Gewicht und allgemeiner Gesundheitszustand des Tieres fließen hier ebenfalls in unsere Datenbank ein.
Botanische Arteninventur
Natürlich werfen wir nicht nur einen Blick auf die tierischen Bewohner unserer Schutzgebiete, sondern erforschen auch die Pflanzenwelt im Regenwald. Dafür stecken wir mehrere Messflächen ab - sogenannte Plots - zählen und bestimmen die dort vorkommenden Pflanzenarten und vermessen alle größeren Bäume.
Diese Baumriesen werden von unserem Team kartiert, und können auch einen Ausgangspunkt für neue Wildtierkameras darstellen.
Biodiversitätsmonitoring in verschiedenen Schutzgebieten
Anders sieht es im Misty Forest, unserem Schutzgebiet in Kanada, aus. Dieses liegt so abgeschieden, dass dort nur während unserer jährlichen Expedition für längere Zeit ein Forschungsteam vor Ort ist. Auch im Misty Forest arbeiten wir mit Kamerafallen und Audiosensoren, und haben im Sommer 2026 erstmals eine unbemannte Forschungsstation zur Datenerhebung installiert. Mit dem Ausbau unseres Teams in Kanada wollen wir zukünftig regelmäßiger in unseren Gebieten forschen, um noch mehr wertvolle Forschungsdaten zu sammeln.
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