5 Tipps: Wald schützen im Alltag
Uns allen liegen der Wald am Herzen und wir wollen etwas zu seiner Erhaltung beitragen. Das Gute ist, Waldschutz kann nicht nur in weit entfernten Regenwäldern stattfinden, sondern auch in unserem Alltag und direkt vor unserer Haustür. Jede bewusste Entscheidung kann dazu beitragen, Wälder zu erhalten – überall auf der Welt.
Der unterschätzte Rohstoff: Wie viel Holz wir wirklich verbrauchen
Unser reiner Holzverbrauch ist etwas, das viele Menschen im Alltag gar nicht im Blick behalten. Wenn wir nur auf unseren deutschen Wald schauen, stünden uns im Jahr durchschnittlich, bei nachhaltiger Versorgung, etwa 0,7 m3 Holz pro Kopf zur Verfügung1 – das ist in etwa das Volumen eines großen Kühlschranks, oder von 4-5 vollen Badewannen. Unser tatsächlicher Verbrauch liegt allerdings deutlich höher, etwa bei 1,3 m3.2 Wir sind also auf Holz-Importe angewiesen.

British Columbia erlaubt noch heute die großflächige Abholzung von 600 bis 1.800 Jahre alten Urwaldriesen. Ein Teil dieses Holzes landet auch bei uns.
Doch was passiert mit dem ganzen Holz? Natürlich nutzen wir Holz als Baustoff für Möbel und Gebäude, verarbeiten es weiter zu Papier und Verpackungsmaterial und anderen Alltagsprodukten. Doch ganze 50 % des Holzes werden einfach verheizt – dabei sind es nur 6 % der Haushalte in Deutschland, die primär mit Holz heizen. Allerdings steigt die Beliebtheit von Holz als Heizmittel: Seit 1990 hat sich der Holzverbrauch in Deutschland verdoppelt.1
Ist Holz wirklich so nachhaltig und klimafreundlich?
Viele meinen es dabei sicher gut, denn Holz gilt als nachhaltig und klimafreundlich. Doch schaut man genauer hin, ist es leider nicht so einfach, denn beim Heizen mit Holz werden auch CO2 und große Mengen Feinstaub freigesetzt.3 Auch sind Holzöfen – besonders ältere Modelle – nicht gerade energieeffizient. Für echten Klima- und Waldschutz sind Energieeinsparung, erneuerbarer Strom und effiziente, moderne Heizsysteme wie Wärmepumpen die deutlich bessere Wahl.
Bewusster Konsum: Kleine Veränderungen, große Wirkung
Ein großer Teil der weltweiten Entwaldung ist direkt mit unserem Konsumverhalten verbunden. Der Rohstoff für viele Holz- und Papierprodukte, die wir täglich nutzen, stammt aus Skandinavien oder dem Amazonasgebiet4 – also dem Ort, die wir so dringend schützen müssen. Das heißt allerdings auch, dass wir in diesem Bereich einen großen Hebel für Veränderungen haben. Wer auch im Alltag Wälder schützen möchte, kann schon beim Einkaufen einen großen Unterschied machen. Das mag am Anfang mit ein wenig Arbeit verbunden sein, doch wenn man der Sache ein wenig Zeit gibt, werden aus diesen Veränderungen schnell feste Gewohnheiten.
Verstecktes Tropenholz: Oft versteckt sich Tropenholz in Holz- und Papierprodukten, bei denen man es gar nicht unbedingt vermutet, teilweise sogar ohne echte Deklaration auf der Verpackung. Dazu gehören Grillkohle und Briketts5 (nachhaltige Alternativen wären Kokos- oder Olivenkern-Briketts), Möbel, Musikinstrumente, Werkzeuggriffe6, Frühstücksbrettchen, Spielzeuge oder sogar Bücher7. Vermeide verstecktes Tropenholz, indem du einheimischen Hölzern den Vorzug gibst und auf zertifiziert nachhaltige oder recycelte Produkte achtest.
Verzicht auf Einwegprodukte: Muss es wirklich immer Küchenrolle sein, oder lassen sich Oberflächen nicht auch mit einem feuchten Lappen reinigen? Gleiches gilt für Feuchttücher jeder Art.
Papier reduzieren: Nicht jede E-Mail muss ausgedruckt werden – sowohl für das Büro als auch für Zuhause gibt es gute digitale Alternativen.
Wenn, dann Recyclingpapier: Wenn Papier gebraucht wird, kaufe nach Möglichkeit recyceltes Papier – für Büro und Badezimmer.
Die gute Jute: Ja, der Jutebeutel bringt tatsächlich etwas – wenn ihr ihn regelmäßig nutzt, statt Papiertüten zu kaufen. Vielleicht auch eine Idee für den nächsten Gang zum Bäcker?
Pre-loved statt Neu: Es muss nicht immer ein neues Produkt sein. Bücher, Möbel, Elektrogeräte, Kleidung – viele Dinge lassen sich auch Second-hand in sehr guter Qualität kaufen. Und ihr spart gleichzeitig auch noch Geld!

Bambus kann ein sehr nachhaltiges Material sein, weil er schnell und ressourcenschonend wächst. Doch auch Verarbeitung, Chemikalien und Transport sind hier entscheidend, nicht nur das Material selbst.
Palmöl, Kakao & Co.: Inhaltsstoffe kritisch hinterfragen
Fast 90% der globalen Waldzerstörung gehen auf die Ausweitung der Landwirtschaft zurück, zum Beispiel auf den Sojaanbau oder die Gewinnung von Palmöl.10 Palmöl steckt in zahlreichen Lebensmitteln – beispielsweise in Schokolade, Tiefkühlpizza oder Brotaufstrichen – sowie in vielen Kosmetik- und Reinigungsprodukten. Über 70 Millionen Tonnen des Öls werden jährlich produziert, der größte Anteil davon in Südostasien. Damit ist Palmöl das begehrteste, pflanzliche Öl auf dem Weltmarkt.11 Nachhaltige Alternativen sind nur schwer zu finden. Für die gleichen Ertrag würden andere Ölpflanzen weit mehr Land benötigen.11 Man liest zwar häufig von “zertifiziertem Palmöl”, doch auch Siegeln wie dem RSPO-Siegel kann man leider nicht uneingeschränkt vertrauen.12

Kakao gehört zu den Produkten, bei denen man definitiv auf Herkunft und Fair Trade achten sollte.
Beim Einkauf lohnt es sich also durchaus, einen zweiten Blick auf die Zutatenliste und die Herkunft der Produkte zu werfen. Auch bei Produkten mit Kakao, Kautschuk oder Kaffee kann das einen großen Unterschied machen. Einkaufs-Apps wie CodeCheck helfen bei der Kaufentscheidung und dabei, Marken zu finden, die transparent mit ihren Lieferketten umgehen.
Nachhaltige Ernährung schützt Wälder
Unsere Ernährung hat einen erheblichen Einfluss auf die weltweite Entwaldung. Wer Wälder schützen möchte, kann durch eine bewusste Ernährung viel bewirken.
Genau wie Palmöl hat auch Soja einen schlechten Ruf – doch hier sieht die Sache ein wenig anders aus. Nicht der Konsum von Tofu und Sojamilch ist dafür verantwortlich, dass immer größere Teile des Regenwaldes abgeholzt werden. Aufgrund des hohen Eiweißgehalts sowie des vergleichsweise günstigen Anbaus wird der Großteil des Sojas – rund 75% – zu Tierfutter für Nutztiere und Aquakulturen verarbeitet.13 Die Sojabohnen zur Herstellung von Produkten, die für den menschlichen Verzehr geeignet sind, kommen vorwiegend aus Europa.14 Es ist also der hohe Fleischkonsum, der die Abholzung vorantreibt – nicht für den Futtermittelanbau, sondern auch für die Weidehaltung der Tiere.

Plantagen wie diese Bananen-Plantage sind das Gegenteil eines gesunden Regenwaldes.
Eine überwiegend pflanzliche, regionale und saisonale Ernährung reduziert den Flächenbedarf und wirkt der Zerstörung von Wäldern entgegen. Weniger Fleisch, mehr Gemüse, Hülsenfrüchte und Getreide – das schützt nicht nur die Wälder, sondern auch Klima und Gesundheit.15
Wissen teilen und Bewusstsein schaffen
Waldschutz lebt von Aufmerksamkeit. Je mehr Menschen über die Bedeutung von Wäldern und die Folgen der Abholzung informiert sind, desto mehr Menschen engagieren sich für den Schutz dieser Ökosysteme. Die Bewegung wird größer, und der gesellschaftliche Druck auf Politik und Wirtschaft steigt. Das Teilen von Artikeln, Social Media Posts oder Projekten von Naturschutzorganisationen wie Wohllebens Waldakademie, dem BUND oder auch uns schafft Bewusstsein, genau wie Gespräche im Alltag mit Familie, Freund:innen oder Kolleg:innen.
Fazit: Jeder Beitrag zählt für lebendige Wälder
Wälder schützen bedeutet nicht, perfekt zu sein, sondern bewusste Entscheidungen zu treffen. Ob durch nachhaltigen Konsum, eine waldschonende Ernährung oder die Unterstützung von Naturschutzorganisationen – jeder Schritt zählt. Gemeinsam können wir dazu beitragen, dass Wälder als Lebensgrundlage für kommende Generationen erhalten bleiben.

Geht raus in die Natur, erlebt aus erster Hand, warum wir die Wälder weltweit schützen müssen - und teilt eure Erlebnisse!
1 www.youtube.com/watch?v=B1RGDZOJoXo (Wohllebens Waldakademie: Einfache Wege zum Waldschutz mit spürbarem Impact)
2 https://www.umweltbundesamt.de/system/files/medien/publikation/long/4426.pdf
3 https://www.umweltbundesamt.de/themen/heizen-holz
4 www.papierindustrie.de/fileadmin/0002-PAPIERINDUSTRIE/99_Publikationen/Transformation-Papierindustrie-Studie-Web.pdf
5 https://www.wwf.ch/de/wir-grillieren-den-tropenwald
6 https://www.regenwald-schuetzen.org/handeln/tropenholz-vermeiden
7 https://www.wwf.ch/de/unsere-ziele/holz-und-papier
8 https://www.regenwald-schuetzen.org/handeln/tropenholz-vermeiden/fsc-siegel-und-tropenholz
9 https://search.fsc.org/de/
10 https://www.bmz.de/de/themen/biodiversitaet/wald
11 https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/produkte-aus-der-landwirtschaft/palmoel/palmoel-alternative-hefeoel-unter-der-lupe
12 https://www.swr.de/leben/verbraucher/ard-marktcheck/rspo-rainforest-alliance-fairtrade-wie-fair-und-nachhaltig-sind-siegel-100.html
13 https://www.chathamhouse.org/sites/default/files/publications/research/2016-01-28-agricultural-commodities-brack-glover-wellesley.pdf
14 https://www.peta.de/themen/soja-regenwald/
15 https://www.umweltbundesamt.de/umwelttipps-fuer-den-alltag/essen-trinken/klima-umweltfreundliche-ernaehrung#gewusst-wie