
"Protect the Peel"-Projekt
Die letzte wahre Wildnis
Der Peel River, der sich durch das Herz der kanadischen Arktis schlängelt, ist nicht nur eine wichtige Lebensader für das Ökosystem der Region, sondern auch die Heimat der Na-Cho Nyäk Dun, Tr’ondёk Hwёch’in, Teetl'it Gwich’in und Vuntut Gwitchin First Nations. Das Einzugsgebiet des Peel besteht aus drei mäandernden Flüssen, die von hohen Bergen, weiten Tälern und dichten borealen Wäldern umgeben sind. Ein Großteil dieses Gebiets war Millionen von Jahren lang frei von Gletschern, was bedeutet, dass viele der hier vorkommenden Pflanzenarten biologisch einzigartig sind. Das Peel-Gebiet beherbergt auch seltene Bären, Wölfe, Vielfraße, Elche und die weltgrößte Herde Karibus.
Seit Tausenden von Jahren wandern die Teetl'it Gwich’in mit den Karibus durch das Einzugsgebiet des Peel, leben von Beeren und Sträuchern, den Tieren und dem kristallklaren Wasser. Bis heute bleibt diese Region ein lebendiges Geschichtsbuch der Teetl'it Gwich’in, der Ursprung ihrer Vorfahren, ihrer Lebensweise, Kultur und Traditionen – es ist ihre Identität.
Im Jahr 2007 und 2008 organisierten die Teetl'it Gwich’in und Wilderness International gemeinsame Expeditionen zum Einzugsgebiet des Peel und nach Deutschland. Diese Reisen waren entscheidend, um das Bewusstsein für den Konflikt zwischen dem Landnutzungsplan, der von den First Nations bevorzugt wird, und den Tausenden von Bergbauansprüchen in der Region zu schärfen. Zu dieser Zeit war der Rechtsfall noch nicht vor Gericht gegangen, aber eine Kommission war gegründet worden, um den Konflikt zu lösen. Während dieser frühen Expeditionen besuchten junge Menschen ihr traditionelles Land gemeinsam mit älteren Mitgliedern der Gemeinschaft, und auch in Deutschland fand ein interkultureller Austausch statt. Die Teetl'it Gwich’in teilten ihre Kultur und Lebensweise und lenkten internationale Aufmerksamkeit auf den Schutz ihrer Heimat. In Deutschland besuchten sie auch ein Tagebau-Kohlenbergwerk und den Nationalpark Sächsische Schweiz, der vor nur 150 Jahren eine verwüstete, baumlose Landschaft war.
Es macht mich unglaublich traurig, wenn ich mir vorstelle, dass unsere Heimat in Kanada eines Tages von Tagebau, Straßen und erodierten Bergen geprägt sein könnte. Einfach furchtbar – meine Trauer ist schwer in Worte zu fassen!
Zoe Hoe
Studentin der Teetl'it Gwich'in Nation während des Austauschs 2007 nach Deutschland
Rückkehr zum Peel
Im Jahr 2015, nachdem wir erfahren hatten, dass der Fall vor den Obersten Gerichtshof von Kanada gebracht werden würde, entschieden wir uns, das Projekt wiederzubeleben. Dies führte 2017 zu einer weiteren Expedition zum Peel, die den fortlaufenden Bedarf an globaler Unterstützung im Kampf für den Land- und Indigenenschutz verstärkte. Diese neue Phase des Projekts fiel mit der Eskalation des Rechtsstreits zusammen. So wurde die Bedeutung internationaler Fürsprache und der Einbindung der Gemeinschaft angesichts der industriellen Bedrohungen für das Land nochmals unterstrichen.
Die Expeditionen verbanden Gwich’in- und deutsche Jugendliche, Älteste, Wissenschaftler:innen und Naturschützer:innen – alle mit dem gleichen Ziel: das Bewusstsein für den Schutz des Peel zu schärfen. Sie hatten so die Gelegenheit, wieder mit dem traditionellen Gebiet in Kontakt zu treten und durch das Entdecken der Schönheit und kulturellen Bedeutung des Landes zu erfahren, was auf dem Spiel stand. Außerdem wurden mehrere wissenschaftliche Studien durchgeführt und vier Arbeiten über die Eigenschaften von Heilpflanzen veröffentlicht, die die ökologische Bedeutung des Einzugsgebiets weiter hervorhoben.
Ein historischer Sieg!
Im Jahr 2017 fiel die große Entscheidung: 80 % des Peel River Einzugsgebiets werden dauerhaft geschützt! Das sind 55.858 km² ökologisch und kulturell bedeutender Bergwildnis, die für immer unberührt von der Industrie bleiben wird.
Dieser Fall stellt auch einen bahnbrechenden rechtlichen Meilenstein dar! Es ist das erste Mal, dass ein Landnutzungsplan einer First Nation auf diesem Niveau im kanadischen Rechtssystem vehement verteidigt wurde. Es ist nicht nur ein Sieg – es ist ein historischer Wendepunkt, der ein starkes Präzedenzurteil für zukünftige Entscheidungen setzt und seine Wirkung noch monumentaler macht!
Wir möchten allen Teilnehmern danken, die an diesem Projekt beteiligt waren:
First Nation of Na-Cho Nyäk Dun
Teetl'it Gwich’in
Tr’ondёk Hwёch’in
Vuntut Gwitchin First Nation
Canada Parks and Wilderness Society (CPAWS)
Yukon Conservation Society
Öffentliche Unterstützer










