Moore in unseren Schutzgebieten?
Was ist eigentlich ein Moor und wo kommt das ganze Wasser her?
Moore zählen genau wie Auen, Bruchwälder und Sümpfe zu den Feuchtgebieten und liegen im Übergangsbereich zwischen trockenen und dauerhaft feuchten Ökosystemen. Sie sind untrennbar mit dem Wasser verbunden. Dieses stammt entweder direkt aus Niederschlägen oder ist Grundwasser aus dem Boden. Damit ein Moor dauerhaft bestehen kann, muss allerdings ein Gleichgewicht zwischen Wasserzufuhr und Wasserabfluss bestehen. Die ständige Wasserversorgung sorgt dafür, dass Moore auch in Trockenzeiten nicht austrocknen.
Der stetig hohe Wasserstand im Boden sorgt dafür, dass dieser kaum Sauerstoff bekommt. Dadurch werden absterbende Teile von Pflanzen im Moor nicht komplett zersetzt, sondern bilden über Jahrtausende hinweg die charakteristische meterdicke Torfschicht. Das ist ein sehr langsamer Prozess, der nach der letzten Eiszeit besonders dort eingesetzt hat, wo es feucht und kühl war. Die Moore in Westkanada können daher bis zu 10.000 Jahre alt sein und wachsen nur etwa einen Millimeter pro Jahr.1
Moore sind echte Klimahelden!
Obwohl heute nur noch etwa 1-3 % der Erdoberfläche von Mooren bedeckt sind, sind dort über 30 % der gesamten Bodenkohlenstoffvorräte gespeichert.2 Das liegt daran, dass der Kohlenstoff der abgestorbenen Pflanzen nicht komplett in die Atmosphäre entweichen kann, weil durch das Wasser der Sauerstoff fehlt, den der Kohlenstoff zum Entweichen braucht. Stattdessen wird dieser im Torf gespeichert. Intakte Moore, wie in unseren Schutzgebieten, sind also gigantische Kohlenstoffsenken. Bei 6 m dickem Torfboden könnte ein Hochmoor um die 550-1.100 kg CO2/m2 speichern3 - im Wald wären es "nur" etwa 60 kg CO2/m2.
Damit das Wachstum von Torfmoos aufrechterhalten werden kann, muss der Wasserstand in Hochmooren immer hoch genug sein. Wenn ein Moor entwässert wird, sinkt der Grundwasserspiegel und der Torf trocknet aus. Dies führt zur Zersetzung des Torfs und setzt die riesigen Mengen CO2 frei, die zuvor gespeichert waren. Der Verlust von Mooren durch Entwässerung hat demnach katastrophale Auswirkungen auf unser Klima!
Moore sind gefährdet
Seit dem 17. Jahrhundert werden immer mehr Moore systematisch entwässert. Grund dafür sind, wie so oft, die Forst- und Landwirtschaft, der Bau von Siedlungen und der Abbau von Torf - denn Torf brennt fast so gut wie Braunkohle. Außerdem eignet sich Torf super als Blumenerde, da er Wasser gut speichert und aufgrund der wenigen enthaltenen Nährstoffe weitestgehend frei von Unkrautsamen und Krankheitserregern ist.
Besonders in Industriestaaten wie Deutschland sind nur noch wenige natürliche Moore erhalten. Weltweit wird die entwässerte Moorfläche auf über 50 Millionen Hektar geschätzt - das entspricht fast der kompletten Landfläche Spaniens! Tendenz: steigend. Deshalb müssen Moore und auch ihre umliegenden Wälder unbedingt geschützt werden! Nicht nur wegen ihrer großen Bedeutung für unser Klima, sondern auch wegen der enormen Biodiversität und all der Arten, die sich an diesen Lebensraum angepasst haben und sonst nirgends vorkommen. Aufgrund ihres hohen Alters und der nur langsam wachsenden Torfschicht, sind Moore auch nur schwer wiederherzustellen. Daher freut es uns sehr, dass wir in unseren kanadischen Schutzgebieten so viele Moore haben!
Die Moore auf Porcher Island sind mit die Orte auf der Welt, wo das meiste CO2 in der Natur gespeichert ist. In Deutschland haben wir nur 2 % unserer Moore übrig, aber hier auf Porcher speichern die Moore zwischen 100 und 300 kg CO2/m2! Aber sobald Menschen irgendeinen Einfluss nehmen, wird das Moor in der Regel irgendwo verletzt und fängt an auszulaufen - wie eine Badewanne, der man den Stöpsel gezogen hat."
Hochmoore in Kanada
Moore auf der ganzen Welt
Moore gibt es tatsächlich nicht nur in Kanada, sondern überall auf der Welt - in den Bergen, im Flachland, mitten in großen Wäldern (wie in unseren Schutzgebieten in Kanada) und an der Küste. Es gibt verschiedene Moortypen, die sich je nach Klimazone in ihrer Beschaffenheit, Vegetation und ihren Bewohnern unterscheiden.
Moore sind oft in Klimazonen zu finden, in denen hohe Niederschlagsmengen oder kalte Temperaturen auftreten - oder beides. Das ist rund um den Äquator, sowie in subarktischen, borealen und ozeanisch-gemäßigten Zonen vor allem auf der Nordhalbkugel der Fall. Zu letzterer gehören auch unsere Schutzgebiete an der Küste Westkanadas. Die klimatischen Bedingungen in diesen Gebieten sorgen dafür, dass Biomasse nur sehr langsam abgebaut wird, wodurch die Moorbildung begünstigt wird. In weniger feuchten, subtropischen Regionen sind Moore weniger verbreitet, doch auch dort gibt es sie, beispielsweise in niederschlagsreichen Gebirgsregionen oder in der Nähe großer Flüsse. Weltweit wird die Fläche aller Moore auf 500 Millionen Hektar geschätzt. Das ist allerdings nur ein Näherungswert, da viele große Gebiete bisher nicht genau kartiert wurden und viele kleinere Gebiete bislang noch unentdeckt sind.1
Was kannst du tun, um Moore zu schützen?
-
Informiere dich und andere über die Bedeutung von Mooren und die Bedrohungen, denen sie ausgesetzt sind - zum Beispiel indem du Beiträge wie diesen in sozialen Netzwerken teilst.
-
Förderung torffreier Produkte: Torf wird oft im Gartenbau verwendet, was die Zerstörung von Mooren begünstigt. Verwende und kaufe torffreie Blumenerde und kompostiere, wenn möglich, selbst.
-
Persönliches Verhalten: Besuche Moore nur auf ausgewiesenen Wegen, um die empfindliche Vegetation nicht zu beschädigen.
-
Unterstützung von Naturschutzorganisationen: Engagiere dich bei oder unterstütze Organisationen, die sich für den Schutz von Mooren einsetzen, etwa durch Spenden oder ehrenamtliche Arbeit. Gemeinsam mit uns kannst du beispielsweise Moore in Kanada schützen.
- 1.
Mooratlas: Daten und Fakten zu nassen Klimaschützern. (2023). Heinrich-Böll-Stiftung.
https://www.boell.de/de/2022/11/17/mooratlas-2023.
Harris, L. I., Richardson, K., Bona, K. A., Davidson, S. J., Finkelstein, S. A., Garneau, M., McLaughlin, J., Nwaishi, F., Olefeldt, D., Packalen, M., Roulet, N. T., Southee, F. M., Strack, M., Webster, K. L., Wilkinson, S. L., & Ray, J. C. (2022). The essential carbon service provided by northern peatlands. Frontiers in Ecology and the Environment, 20(4), 222–230.
https://doi.org/10.1002/fee.2437 - 2.
Wildlife Conservation Society Canada. (2019, August 23). Northern peatlands in Canada. Esri.
https://storymaps.arcgis.com/stories/19d24f59487b46f6a011dba140eddbe7 - 3.
Berechnung basiert auf der durchschnittliche Torfdichte von ca. 0,1 g/cm2 und Kohlenstoffgehalt des Torfes, basierend auf den typischen Kohlenstoffgehalten im Torfboden (etwa 50% des Trockengewichts).
- 4.
Tarnocai, C., Kettles, I. M., & Lacelle, B. (2011). Peatlands of Canada. Natural Resources Canada/CMSS/Information Management.
https://doi.org/10.4095/288786.